Einer der für Iraner sehr wichtigen Feste, ist Cahâršanbe Suri. Das Feuerfest ist eine der ältesten Feierlichkeiten; mit ihr wird an Glanz, Reinheit, das Leben, die Erschaffung aller und Gesundheit erinnert. Cahâršanbe Suri wird immer ein paar Tage vor Nouruz (das neue persische Jahr) gefeiert. Dieses Fest entwickelte sich von der „Suri“ Feier. Suri ist ein persisches Wort und bedeutet „rot“, „rote Rose“; die Farbe rot ist auch eine Anspielung auf die rote Farbe des Feuers. Einige Sprachwissenschaftler vermuten den Ursprung des heutigen „Cahâršanbe Suri“ im „Cahâršanbeye Sorx“ (roter Mittwoch). Manche Sprachwissenschaftler widerum glauben, dass die Worte „Cahâršanbe Suri“ ihre Wurzeln in „Gahanbâr Suri“ haben; Gahanbâr war das Fest um die letzten Tage eines Jahres der Ahnen im antiken Iran (Persien).
Es ist Tradition, dass Iraner in den Tagen vor Nouruz ihre Häuser putzen und intensiv an Verstorbene gedenken. Zu diesem Zwecke sammeln sie Dornbüsche und Grashalme, verbrennen diese in den letzten kalten Winternächten und verbringen mit dem heiligen Feuer Ahurâs ihre Nächte; am folgenden Tag begrüßen sie das neue Jahr „Nouruz“. Iraner erklären mit dem heiligen Feuer der Gahanbâr Feier der Armee der Dunkelheit, Bosheit und dem Dämon „Ahriman“ den Kampf; sie bringen über das Feuer und bringen das Licht, die Fröhlichkeit und den Glanz in ihre Häuser.
Das Fest Cahâršanbe Suri am Abend des Dienstags findet seine Wurzel höchstwahrscheinlich in der Epoche der Islamisierung und arabischen Herrschaft in Iran. In den Zeiten der arabischen Kalifenherrschaft sind Iraner auf die Dächer ihrer Häuser gegangen und haben während der Cahâršanbe Suri Feier Feuer gezündet. Diese Aktion war eine Art zivile Ungehorsamkeit gegen die Kalifen und Okkupatoren. Iraner haben durch diese alten Traditionen und religiösen Feierlichkeiten versucht, in einer vorislamischen Zeit ihre Kultur aufrechtzuerhalten. Die Okkupatoren, die die Bedeutung solcher Traditionen und Feierlichkeiten nicht verstanden, versuchten im Namen des Islams das „Feuer anbetende Volk“ zu bekämpfen und diese Gebräuche zu verbieten. Bis heute wahren Iraner ihre Kultur und Traditionen.
Ohne Zweifel ist Cahâršanbe Suri einer der ältesten Feierlichkeiten der Menschen und es wäre ein großer Schritt, wenn wir dafür sorgen könnten, diesen Tag als einen internationalen Feiertag anerkennen zu lassen. Mit „wir“ sind gemeint: Iran, Afghanistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kirkisistan, Dagestan, Armenien, Türkmenistan, Aserbeidschan, Norden des Indiens und Pakistans, Westen des Chinas, Türkei, Irak und Syrien. In all diesen Ländern werden noch heute Cahâršanbe Suri und Nouruz gefeiert.
Im antiken Iran gab es keine „Woche“ in der heutigen Form. Den Iraner waren Wochentage von Montag bis Sonntag ebenso fremd. Im antiken iranischen Kalender hatten die Monate 30 Tage und jeder von diesen 30 Tagen hatte einen Namen (wie Amordâd, Âzar, Soruš, Rašn, Farvadin, Šahrivar, Sepandâr Mazd…). Der Begriff „Woche“ (Hafte auf Persisch und Hafta auf Türkisch) hat seinen Ursprung in den semitischen Traditionen. Die Semiten glaubten, der Gott hätte in 6 Tagen die Welt erschaffen und am siebten Tag wäre er mit der Schöpfung fertig geworden, und er hätte sich dann ausgeruht. Aus dem Grund nannten sie den siebten Tag auf Hebräisch Schabbat/Sabbat/Shanbad/Shanbe, was „Ausruhen, Freizeit, Feierabend“ bedeutet. Araber übernahmen die Wochenaufteilung von Juden, und Iraner übernahmen diese von Arabern. Araber hatten über jeden Tag der Woche ihren Glauben und somit dachten sie, dass der Mittwoch (Cahâršanbe) jeder Woche ein schlechter, Pech bringender Tag wäre.
- Der Sinn der Feierlichkeit „Cahâršanbe Suri“ oder „Câršanbe Suri“:
1- Cahâršanbe Suri ist eine himmlische und göttliche Tradition. Der Sinn der Veranstaltung ist die Dankbarkeit und Huldigung des Allmächtigen; die Ehrung und Preisung „Ahurâ Mazdâ“ und die Begrüßung des neuen kommenden Jahres „Nouruz“, in dem das Alte stirbt und das Neue Willkommen geheißen wird. Ein weiterer ist die Seele der Verstorbenen zu segnen und sich an sie zu erinnern.
2- Vom Feuer lernen: Vergessen wir nicht, dass die Flammen des Feuers einige Lektionen und Weisheiten mit sich bringen.
• Erstens: wie die Flamme des Feuers immer die Richtung nach oben suchen und versuchen mit erhobenem Haupt und der Hilfe „Ahurâ Mazdâ“ auf dem Weg nach Vollkommenheit ein erfülltes und positives Leben führen.
• Zweitens: wie das Feuer im Leben vorankommen und immer in Bewegung bleiben, um aktiv und erfolgreich zu werden.
• Drittens: wie das Feuer, anderen um uns mit Nächstenliebe und Menschlichkeit Wärme spenden; den Menschen Liebe schenken.
• Viertens: wie das Feuer, das alles um sich erhellt und Licht spendet und gegen die Dunkelheit kämpft, Licht und Hoffnung spenden, sich weiter bilden und informieren, und wenn man erleuchtet wird, dann anderen helfen und gegen die Unwissenheit kämpfen, damit sie auch zu einem höheren Bewusstsein gelangen.
- Die Zeremonie der Feierlichkeit Cahâršanbe Suri:
Im antiken Iran (Persien) sprang man an diesem Tag nicht übers Feuer; denn das Feuer war ein heiliges Element. Mann bildete einen Kreis um das Feuer herum; sang Hand in Hand religiöse Gebete und Hymnen. Heute aber werden zwischen drei bis sieben nicht zu große Feuerhaufen gezündet. Man nimmt Anlauf und rennt in die Richtung der Feuerhaufen, um über sie zu springen und singt dieses Lied während der Zeremonie:
Zardiye man az to
Sorxiye to az man
*******
Sorxiye âtaš mâl-e mâ
Zardiye mâ mâl-e šomâ
*******
Gole câršanbe suri
Dard-o-balâ ro bebari
Übersetzung:
Das Gelbe (die Krankheit) in meinem Gesicht ist für dich
Das Rote (die Gesundheit) in dir soll zu mir
******
Das Rote des Feuers soll zu uns allen
Das Gelbe in uns soll zum Feuer
******
Oh du glühende Kohle von Cahâršanbe Suri
Nimm die Krankheit und das Elend von uns allen weg
Bei diesem Fest glauben Iraner (Perser), man solle sich außerhalb des Hauses befinden und im Kreise der Familie, Freunden und Bekannten feiern. Die iranische (persische) Kultur bewahrt bis heute Heiterkeit und Fröhlichkeit.
©Fartâb Pârse / PERSIK






