Die etablierten Gedichtsinterpreter wollen es nicht wahr haben; sie schweigen bis heute, wenn man sie darüber anspricht. Für Sie ist dieses Thema ein Tabu oder es wird als Erniedrigung der Werte jener Dichter aufgefasst. Die Interpreten versuchen die gleichgeschlechtliche Liebe als eine "Morid va Morâd" (Schüler/Jünger und Lehrer/Meister)Beziehung zu interpretieren! Sie versuchen jene Art Liebe nicht als solche, sondern als großen Respekt des Jüngers dem Meister gegenüber zu deuten!
Seit einiger Zeit befasse ich mich intensiv mit unseren großartigen Dichtern, die hier und da ihre Liebe und Zuneigung zum gleichen Geschlecht in wunderschönen, feinen, und farbenfrohen Gedichten verewigt haben. Es ist bei Weitem nicht nur meine Meinung, sondern auch die von vielen anderen, die jüngst anfangen, die Legenden an Dichtern unter die Lupe zu nehmen und tatsächlich solche Gedichte finden, dass sich viele Dichter zur gleichgeschlechtlichen Liebe äußern.Es gibt in der westlichen Welt unzählige Wissenschaftler, Dichter und Maler, die Homosexuelle waren, aus Angst vor Inquisition und der Kirche geheiratet haben oder sich nicht öffentlich dazu bekennen konnten! Beispiele sind unzählig, wie der große Leonardo Da Vinci, der allerdings keinen Hehl daraus machte, oder der irisch stämmige Oscar Wilde, der sich später vor Gericht verteidigen musste!
Was ist mit Moulânâ und das, was er für Šams-e Tabrizi empfindet? Oder dem Dichter Farid-o-din-e Attâr Neyšâburi und seinen unzähligen Gedichten über einen König, der unglücklich in einen jungen Mann verliebt war. Oder der erhabene Sa'di, von dem ich hier ein Gedicht poste! Ich schreibe das Gedicht in der Persikschrift mit der Übersetzung!
Hier die Übersetzung
©Fartâb Pârse
Xoš miravad in pesar ke barxâst
Sarvist conin ke miravad râst
Abruš kamân-e qatl-e âšeq
Gisuš kamand-e aql-e dânâst
Wie anziehend und mit erhabenem Kopf läuft dieser Junge
wie ein Zeder, der nie den Kopf sinkt.
Seine schöne Augenbrauen ähneln dem Bogen zum Töten des Verliebten;
seine schöne Locken berauben dem Verliebten den Verstand.
Bâlây-e conin agar dar Eslâm
Guyand ke hast zir-o bâlâst
Ey âtaš-e xarman-e azizân
Benšin ke hezâr fetne bar pâst
So was gibt es in unserer Religion (Islam) nicht (die gleichgeschlechtliche Liebe) ,
und solche Gedanken sind hier ketzerisch und beunruhigend.
Du bist wie das Feuer, das den Kornhaufen deiner Verehrer in Brand steckt,
trete leise und werde unsichtbar, sonst entfachst du tausende Intrigen.
Bi jorm bekoš ke bande mamluk
Bi šar' bebar ke xâne yaqmâst
Dardat bekešam ke dard dârust
Xârat boxoram ke xâr xormâst
Bringe mich um, denn ich bin dein Besitz, der keine Sünde begangen hat;
beraube und plündere mich aus und nimm alles im Haus (gemeint das Herz), denn dein Wille ist selbst das Gesetz.
Der Schmerz, den ich durch deine Liebe ertrage ist mir das Heilmittel;
ich kaue gerne auf Dorn, der mir so weich und süß wie Dattel im Mund schmeckt.
(Hier hat Sa'di das Dornfressen des Kamels als Metapher benutzt;
das Kamel ernährt sich in der Wüste vom Dorn und Stachel, der in der Wüste wächst)
Angošt namâ-ye xalq budan
Zeštast vali bâ to zibâst
Bâyad ke salâmat-e to bâšad
Sahlast malâmati ke bar mâst
Mit dem Finger von Leuten gezeigt zu werden,
ist eine Schande; aber diese Schande ist deinetwegen schön.
All das Verfluchen, das ich wegen deiner Liebe bekomme,
ist mir wie ein Gebet zu meiner Gesundheit.
Jân dar qadam-e to rixt sa'di
Vin manzalat az xodây mixâst
Xâhi ke degar hayât yâbad
Yekbâr begu ke košte-ye mâst.
Mein Leben lege ich dir zu Füßen;
das ist die höchste Ehre, die ich mir vom Gott gewünscht habe.
Willst du, dass ich wieder lebendig werde;
dann erkläre mich durch deine Hände für tot.
©Fartâb Pârse / PERSIK





