Ein Interview mit Akram Javâdi PDF Drucken E-Mail
31.10.2009 [00:00] von: Fartâb Pârse

alt(Quelle) In der Stadt Bochum gibt es wie alle anderen Städte in Deutschland iranische/persische Buchhandlung. Die Tätigkeit der Aida Buchhandlung beschränkt sich aber nicht nur im Bereich des Bücherverkaufs. Die Inhaberin der Buchhandlung erzählt der Deutschen Welle in einem Interview von verschiedenen Tätigkeiten in dieser Buchhandlung.

Die Mehrheit der Iraner, die in Deutschland leben, wie alle andere Immigranten, die in einem anderen Land leben, halten ihre Verbindung mit dem Iran aufrecht; sie reisen in den Ferien in den Iran, hören iranische Radios, oder schauen sich iranische Fernsehkanäle an. Und sie lesen auch persische Bücher. Aus dem Grund gibt es einige Buchhandlungen in verschiedenen Städten Deutschland's; so auch die Aida Buchhandlung in Bochum, die nicht nur eine Buchhandlung ist, sondern als ein kulturelles Zentrum gilt.

Frau Akram Javâdi erzählt der Deutschen Welle über verschiedene Aktivitäten ihrer Buchhandlung.


Deutsche Welle: Frau Javâdi, wie lange ist es her, dass Sie diese Buchhandlung gegründet haben?

Frau Javâdi: Seit nun mehr als 5 Jahren.

Deutsche Welle: Warum haben Sie sich diese Beschäftigung ausgesucht? Hatten Sie etwa im Iran dieselbe Erfahrung?

Frau Javâdi: Ja, als ich noch im Iran lebte, war ich im Institut mit der Herausgabe der Universitätsbücher beschäftigt. Natürlich mochte ich alles, was mit Büchern selbst zu tun hatte. Wir leben seit nun 23 Jahren in Deutschland, und schon nach 3 Jahren Aufenthalt in Deutschland hatten wir eine persische Bücherei in Bochum gegründet, die immer noch aktiv ist. In den Jahren meines Aufenthaltes in Deutschland arbeitete ich auch in einer iranischen Buchhandlung. Später entschied ich mich meine eigene Buchhandlung zu eröffnen.

Deutsche Welle: Sie haben vorhin sich in Pluralform genannt. Arbeiten Sie alleine, oder haben Sie noch einigen Kollegen?

Frau Javâdi: Ich arbeite zusammen mit meinem Mann in der Buchhandlung. Deswegen habe ich ja „wir“ gesagt. Dies ist eigentlich nicht nur eine Buchhandlung, sondern sie ist auch ein kulturelles Zentrum. Wir haben außer der Buchhandlung auch Kurse im Musikbereich. Wir bieten diese Kurse vier Tage der Woche an. Nebenbei veranstalten wir kulturelle Programme. Und natürlich kann man alles nicht alleine bewältigen. Deshalb arbeite ich zusammen mit meinem Mann und meinen zwei Brüdern und es sind noch Freunde, die da sind.

Deutsche Welle: Als erstes würde ich gerne das Thema Buch erwähnen. Welche Art Bücher bieten Sie hier an? Sind die Bücher die Literatur im Exil oder importieren Sie auch welche aus dem Iran?

Frau Javâdi: Eigentlich führen wie beides. Es ist eine allgemeine Buchhandlung, deren Bücher zum größten Teil aus dem Iran kommen, wir verkaufen aber auch Bücher, die im Exil gedruckt und herausgegeben werden. Wir besitzen auch eine Abteilung für Bücher in deutscher Sprache; wir können auch für unsere Kunden deutsche Bücher bestellen, egal in welchem Bereich – sei es Lernbücher, sei es andere – wir haben auch einige deutschen Kunden.

Deutsche Welle: Wie weit werden Sie besucht? Kommen Iraner häufiger hier her, oder nicht? Wie sieht es mit Deutschen aus?

Frau Javâdi: Im Bereich persischer Bücher gab es nie besonders die Nachfrage; es ist auch so geblieben. Diejenigen, die sich interessieren, kommen ständig. Der deutsche Bereich wird dagegen sehr gut besucht. Im iranischen/persischen Bereich werden dafür die Musikkurse und kulturelle Veranstaltungen aber sehr besucht. Die persische Bücher werden dagegen leider vernachlässigt; wenn wir die Zahl der Iraner hier genau unter die Lupe nehmen, sehen wir, dass sie eine große Gemeinschaft bilden, aber bei unserer Erwartung müssen wir bescheiden bleiben.

Deutsche Welle: Ist dieser Zustand immer so gewesen, oder ist es im Moment etwas Zeitliches?

Frau Javâdi: Ehrlich gesagt, es war immer so, aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass in den letzten 2 Jahren es deutlich zugenommen hat. Es können verschiedene Gründe dafür geben, wie z. B. der häufiger Benutz des Internet oder die Reise nach Iran. Ganz genau weiß ich nicht, aber diese Gründe gehören dazu.

Deutsche Welle: Können wir davon ausgehen, dass die politische Lage im Iran auch eine Rolle spielt, und es sei abhängig davon, was gerade da passiert, das ein Einfluss auf die lebende Iraner hat, mehr oder weniger sicht interessieren zu lesen?

Frau Javâdi: Ja, sicherlich ist der Einfluss da. Das heißt, die politische Lage im Iran ist immer die Ursache, die den Einfluss ausübt.

Deutsche Welle: Welche Bücher möchten Ihre Kunden eher haben?

Frau Javâdi: Von allen Sorten. Einige interessieren sich eher für die politischen und geschichtlichen Bücher. Einige suchen Romane. Aber wir haben von allen Interessen hier. Am meisten werden politische, geschichtliche Bücher und Romane gekauft. Neuerdings interessieren sich einigen für psychologischen Bücher.

Deutsche Welle: Kauft sich die zweite Generation, die hier aufgewachsen ist, auch Bücher?

Frau Javâdi: Glücklicherweise haben wir hier die Abteilung für deutschsprachige Bücher, die überwiegend über den Iran und den Orient sind; und die zweite Generation kauft sich eher diese, weil sie Probleme bezüglich der persischen Sprache hat.

Deutsche Welle: Eine der Tätigkeiten der Aida Buchhandlung ist auch die Planung und Veranstaltung der kulturellen und Kunst bezogene Programme. Bitte, erzählen Sie uns kurz darüber.

Frau Javâdi: Im Durchschnitt führen wir zwei Kunstveranstaltungen. Es gibt Konzerte, Vorlesungen, Gedichtsabend und Malereigalerie. Mindestens ein Mal im Monat haben wir ein Programm.

Deutsche Welle: Wie weit werden diese Veranstaltungen besucht?

Frau Javâdi: Es ist üblich. Eigentlich begeistern sich diejenige, die im Raum Bochum sind, weniger; warum, kann ich nicht sagen. Aber wir haben eher Besucher aus anderen Städten und sogar aus verschiedenen Ländern, die wegen dieser Veranstaltungen hier her kommen, und das ist schon sehr interessant.

Deutsche Welle: Und anders gesagt, können wir davon ausgehen, dass Ihre Buchhandlung ein ständiger Aufenthaltsort der Künstler und Intellektuelle geworden ist?

Frau Javâdi: Ja, so kann man sagen.

Deutsche Welle: Es scheint mir aber so; ich sehe heute Abend auch einige der Bilder und Malereien, die überall die Wände zieren, dazu sind auch einige Künstler und Prominenten hier. Nach welchen Maßstäben werden Ihre Programme veranstaltet?

Frau Javâdi: Wir haben unsere eigene Vorstellung, was wir mit diesen Veranstaltungen erreichen wollen. Wir stellen aber auch einige Künstler durch unsere Programme vor und unterstützen sie dabei, entdeckt zu werden; wie z. B. Herr Hoseyn Nâmju, der vor einigen Monaten aus dem Iran hier her kam. Unsere Bemühung ein Konzert mit ihm zu veranstalten, hatte sich sehr gelohnt. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit diese Künstler bekannt zu machen. Natürlich haben wir hier auch prominente Künstler gehabt, wie Frau Maryam Âxondi und Herren Jannati Atâ’i, Parviz Sayyâd, Hâdi Xorsandi. Neben diesen Berühmtheiten sind aber auch welche, die nicht so bekannt sind, und wir möchten sie aber unterstützen und bekannt machen.

@fartâb pârse
 

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