Wie Frauen ihren Weg finden, um arbeiten zu können
Jede Frau geht ihren eigenen Weg PDF Drucken E-Mail
von: Marjân Hoseyni  

Originaltext: Shahrzadnews

"Frauen arbeiten, denn sie sind auf die Arbeit angewiesen. Sie brauchen das Geld durch die Arbeit. Sie arbeiten, weil sie gesellschaftlich anders angesehen werden. Sie arbeiten wegen des Jobs wegen. Sie brauchen die Arbeit, weil sie außer dem tagtäglichen Leben zu Hause mit Kochen, Putzen, und dem eintönigen Level, Tag ein Tag aus einer Abwechslung namens "Arbeit" haben wollen". Das sind die Worte der 30 jährigen Samâne, die vor einiger Zeit nach mehreren Versuchen endlich ihren Mann überzeugt hatte, außerhalb von zu Hause beschäftigt zu werden.

Samâne: "Der Grund war nicht, dass ich mich zu Hause langweilte, sondern dass ich es satt war,  von meinem Mann immer wieder wegen jeder Kleinigkeit das nötige Geld zu bekommen, um mir etwas zu leisten. Es geht uns finanziell so gut, dass wir ohne mein Gehalt dazu gut leben können. Aber wie lange sollte ich wegen jeder Kleinigkeit das Geld meines Mannes in Anspruch nehmen?".

Aber die 45 jährige Narges musste ihr Zuhause verlassen und eine Arbeit finden, weil sie auf das Geld angewiesen war. Der erste Tag, an dem sie gezwungen war, sich als Hausfrau, die nur kocht und putzt, von ihren Aufgaben zu verabschieden, war der Tag, an dem ihr Mann drogenabhängig und arbeitslos wurde. Narges stand alleine da, und musste für fünf Kinder und einen Mann aufkommen, der im Gefängnis saß. Sie hatte keine Berufs- und Schulausbildung. Sie musste aber, um sich und die Familie überm Wasser zu halten, arbeiten. Auch wenn sie dafür in einer Obstverpackungsfabrik arbeiten musste.

Da der niedrig Lohn in der Fabrik nicht ausreichte, um ihre Kosten zu decken, musste Narges, die damals 30 Jahre alt war, sich auf die Suche nach Dienstleistungsfirmen und Büros machen.

Sie selbst sagt: "Für jemanden wie mich, die immer vom anderen versorgt wurde, war das Arbeiten sehr schwer. Ich musste egal wie, die Bäuche meiner Kinder satt bekommen. Alle dachten, da wo jetzt mein Mann drogenabhängig wurde, würden wir in eine ausweglose Lage geraten. Ich habe ganz allein die Last auf meinen Schultern getragen".

Aber das alleinige Tragen der Last drohte ihr das Rückgrad zu brechen. Nicht, weil sie eine Frau war, die einen harten Job mit wenig Lohn ausübte. Es war hart, weil sie noch nicht einmal 14 Jahre alt war, als sie verheiratet wurde, und weil sie keine Möglichkeit besaß, die Schule zu besuchen, oder wenigstens einen Beruf zu erlernen. Und jetzt, wo sie gezwungen war, die Familie zu ernähren, musste sie die härtesten Jobs ausüben. Trotz all der Schwierigkeiten schickte sie zwei Töchter zur Uni und bracht ihnen bei, schon während des Studiums zu arbeiten, um den süßen Geschmack der Früchte der finanziellen Unabhängigkeit schmecken zu können, und besseres Leben zu führen, als sie selbst mit ihren Schwierigkeiten. Dieses Mal war der Vater kein Hindernis mehr, sondern sogar ein Ansporn.

Die Zeiten ändern sich. Die Ergebnisse der Forschungen der letzten Jahre bestätigen auch diese Änderungen. Nach einem Forschungsergebnis, das in einer demokratischen Zeitung veröffentlicht wurde, gab es im Jahre 1353 (1975) 74% Männer, die gegen die Beschäftigung der Frauen waren, im Jahre 1374 (1996) waren es 39%, im Jahre 1379 (2001) 26% und im Jahre 1381 (2003) 21%. [1]

Und jetzt im Jahre 1386 (2007/2008) sind nicht nur die Gegenstimmen weniger geworden. Die Lage der Frauen, die es gelernt haben auf eigenen Füßen zu stehen und ihr Brot selbst zu verdienen, hat sich verbessert.

Narges, die aufgrund ihres gewalttätigen Mannes trug immer irgendwo am Körper blaue Flecken trug, konnte nun dank der finanziellen Unabhängigkeit und durch die gewonnene, bedeutende Rolle zu Hause jetzt bei den Entscheidungen in der Familie eine bestimmendere Rolle übernehmen. Seit ein paar Monaten sind ihre Kinder und ihr Mann krankenversichert; und seit Jahren ist nichts mehr von der Beschimpfung und der Gewalt ihres Mannes zu sehen. Seit Jahren hört und sieht sie ihren Mann nicht mehr beschimpfen und prügeln, und auch hört sie nicht mehr, dass er erneut würde (noch eine Frau neben ihr). Jetzt gibt es eine andere Narges, die mit ihrem Mann zusammen das Leben meistert.

Es gibt trotzdem immer noch Männer, die meinen, Frauen seien unabhängig von dem Geld, das ihre Frauen verdienen, abhängig; zu Hause sei der sichere Ort für Frauen. Solche Vorwände/Einwände können aber Frauen nicht mehr davon abhalten berufstätig zu werden. Die 37 jährige Minâ, die in einer Arztpraxis beschäftigt ist und Injektionen durchführt, sagt: „Ich habe darauf bestanden, dass meine Töchter eine gute Schule besuchen. Ich wollte sicher sein, dass sie an der Universität aufgenommen werden. Uns blieb aber von dem Gehalt meines Mannes nicht viel übrig, um die Gebühren der privaten Schule zu zahlen. Am Ende habe ich alleine die Initiative ergriffen; so oft versuchte sich mein Mann dagegen zu wehren; es half aber nicht. Ich ignorierte seine Proteste, bis er aufgab."

Die Forschungen und Ergebnisse der Soziologen bestätigen die Bemühungen der Frauen wie Minâ, die ihren Töchtern die Möglichkeit geben, eine gute Bildung und dadurch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

Frau Doktor Žâle Šâdi Talab" die Forscherin und Professorin an der Tehrâner Universität weist hin, „das über 80% der jungen Frauen (Mädchen) mehr Wert auf die Beschäftigung außerhalb des Hauses legen als auf den Haushalt. 42% der Mütter bevorzugen die Beschäftigung ihrer Töchter, und 58% wollen, dass ihre Töchter auch neben dem Haushalt einen Beruf ausüben“.

Die Bemühungen der Frauen von der Hausarbeit zu entfliehen und auf der Bühne des Arbeitsmarktes eine Rolle zu spielen, ist aber nicht immer ein finanziell Grund. Minâ, die neulich ihre Beruhigungstabletten abgesetzt hat, sagt: „Meinetwegen beharrte ich darauf berufstätig zu werden. Ich hatte zu Hause Depressionen bekommen, und nahm am Tag 5 Beruhigungstabletten ein“.

Die Depression ist eine gemeinsame Krankheit der Hausfrauen, denn sie haben nichts anderes als die tagtägliche, langweilige Routinearbeit zu Hause zu erledigen.

Laut des Berichtes der Internetseite Science glaubte man bis heute, dass die Frauen, die mehr Zeit für den Haushalt investieren würden, gesünder wären. Aber die neueste Forschung des Instituts „Media H“ in Düsseldorf in Deutschland zeigt das Gegenteil. Laut der Ergebnisse dieses Instituts würden Frauen, die keinen Beruf ausüben, eher über psychische Krankheiten, Depressionen und körperliche Beschwerden beklagen, da mindestens 60% dieser Frauen unter ständigen Kopfschmerzen leiden. Ca. 44% dieser Frauen leiden unter Migräne und 1/5 von ihnen beklagen sich über Schlaflosigkeit. Obwohl die Statistik eine Bestätigung jener Frauen im Iran ist, ist immer noch diese Zahl der Tätigen gering, und seit Jahren ist die Quote nicht gestiegen. Trotzdem sind Bestrebung, Frauen auf die Bühne des Wirtschaftsbereichs zu bringen, nicht zu übersehen. Man kann dieses Thema nicht weiter ignorieren, und den Frauen Hindernisse auf dem Weg geben. Denn: Frauen finden ihren Weg.

Anmerkung:

[1] Hamvatan Salâm, Sonntag 17. Mehr 1384

©Fartâb Pârse / PERSIK
 

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