Die Renaissance der Kalligraphie durch Darvish!
Die Kalligraphie des Derwischs PDF Drucken E-Mail
25.02.2008 [00:00] von: Fartâb Pârse
altDas Land Iran ist seit Jahrtausenden der Geburtsort der künstlerischen Schöpfung. Ein Beispiel ist die Genialität der großartigen iranischen Völker, die über unzählige Generationen sich schriftlich verewigt haben und in diesem Bereich einen besonderen Status zu besitzen. Das Schreiben ist die älteste und bedeutendste Erfindung der Menschen, spirituelle und kulturelle Akquisitionen von Generation zu Generation weiterzugeben. Im Laufe der Zeit fand diese Kunst seine Verwendungen in verschiedenen Bereichen, die dann als ein dekoratives Element auf steinernen Tafeln geschnitzt wurde, oder bei Denkmälern und deren Fassaden, auf Terra Cotta Geschirren, Holz, Stoff,...

Eine neue Errungenschaft auf diesem Gebiet war die Erfindung der iranischen Kalligraphien, genannt "xatte šekaste" oder "Nasta'liq", welche in westlicher Welt auch als "Kalligraphie" bezeichnet wird. Im 17. Jahrhundert wurde zum ersten Mal diese Kunstart von Mortezâ Qoli Xân Šâmlou systematisiert und später von Mohammad Šafi Hoseyni unter dem Pseudonamen "Šafiâ" vervollkommnet. Die Kalligraphie fand ein paar Jahrzehnte später mit dem großen Genie "Abdolmajid Tâleqâni" (als Derwisch tituliert) ihre Perfektion. Tâleqâni widmete seine Zeit nebst der exquisiten Kalligraphie mit traumhafter Kreativität auch anderen Fähigkeiten im Bereich der Literatur und hinterließ wertvolle Arbeiten.

Derwisch Abdolmajid Tâleqâni wurde im Jahr 1737 n. Chr. geboren. Er verbrachte seine Kindheit in seinem Heimatdorf "Mehrân", in der Nähe von Tâleqân, wo er die elementare Schulbildung in den lokalen traditionellen Schulen, "Maktab Xâne" genannt, erlernte. Er verließ später seine Heimat, um sein Talent zu perfektionieren. Seine Kindheit wurde durch den Niedergang der Safaviden Dynastie beeinflusst. Das Land geriet in verschiedenen Schwierigkeiten in Bezug auf wirtschaftliche Stabilität und soziale Ordnung. Diese verhinderten wiederum die Entstehung der künstlerischen Kreativität oder die Blüte der Kunst.

Das Land geriet in Chaos; die jungen Künstler brauchten Meister und Mentoren. So musste der junge Künstler seine Heimatstadt verlassen, zu einer Zeit, in der Menschen nur selten ihre Städte verließen, und wenn dann Zwecks des Handels mit umliegenden Dörfern und Städten. Um sich weiter zu entwickeln, ging er erst nach Qazvin, dann Shirâz und anschließend nach Esfahân.

Die Forscher untersuchen bis heute noch die Motive dieser Emigration, die in schwierigen Zeiten im Iran vor rund 250 Jahren stattfand. Die Biographen von damals haben es durch ihre Fahrlässigkeit vergeudet, über ihn und seine Werke zu schreiben, so dass wir heute durch verschiedene Quellen und Erzählungen hie und da nur knappes Wissen über ihn besitzen. 

Er besaß seit seiner Kindheit eine hohe Intelligenz und außergewöhnliches Talent, und dies verschaffte ihm bei bedeutenden Genies Ruhm zu erwerben und unter den Großen eine wissenschaftliche, literarische und geistige Figur zu werden. Er fesselte jeden und machte alle aufmerksam auf seine Gedichte und Abhandlungen, ebenso seine Kalligraphien. 

Kalligraphie Beispiele


Er verbrachte einige Zeit in Širâz, die Hauptstadt der Liebe und Literatur, während sein poetisches Talent sich entwickelte. Er bereicherte sich bei namhaften Dichtern wie "Lotf Beyg Ali Âzar", "šeq Moštâg" und "Hâtef Esfahâni". Bald darauf dichtete er unter den Pseudonamen wie "Majid" oder "Xâmuš". Sein Ruhm reichte damals schon bis Esfahân, der Hauptstadt und Wiege der Zivilisation zu einer Zeit, in der an jeder Straßenecke berühmteste Künstler ihre Werke wie Schätze zur Schau stellten.

Darüber hinaus reichte sein Ruhm schnell über die Tore von Esfahân. Er schuf Meisterwerke, die von noch nie da gewesener Kunst erzählten. Sein tugendhaftes Auftreten, der aufrechte Charakter und seine angeborene Bescheidenheit ließ er in all seinen Schriften über das Leben und seine Weltanschauung mit dem Titel "Darviš" (Derwisch) nieder.

Im Museum Rezâ Abbâsi, Tehrân, Irân existiert ein prächtiges Album von ihm unter dem Namen "Qobâr" (in Deutsch: Staub). In einer Ecke der Seite schrieb er betrauernd über die Ungerechtigkeit der Welt: "Ich schreibe und ich schreibe, und ich schreibe für einen Verbleib in der Geschichte, dass der arme "Abdolmajid" (er selbst) ein Begnadigter Gottes ist".

Diese Art der Kalligraphie, die er erschaffen hat, ist gleichsam einem Wunder jenseits der Fähigkeit eines jeden durchschnittlichen Menschen. Auf diesem Weg half ihm Lotf Beyg Ali Âzar finanziell und spirituell. Der große Meister "Mir Emâd Hasani" bekannt als "Mir Emâd" lehrte ihn bis zur perfekten Beherrschung der "Nasta'liq Schreibkunst" und das schon als er in seinen Zwanzigern war. Mir Emâd sagte über ihn: "Er hat schon seine Meisterschrift erschaffen".

Die Richtigkeit der Behauptung, er hätte den Stil von Šafiâ in "Šekaste" Schrift imitiert, lässt sich schwer zu belegen. Er hatte aber einen Teil der letzten 15 Jahre seines Lebens mit dem Vervollkommnen dieses Stils verbracht, so dass er alle Meister seiner Zeit in dieser Weise übertraf.

Obwohl er selbst große Männer, wie Mortezâ Qoli Xân Šâmlu, Šafiâ und Mirzâ Hoseyn Kermâni immer wieder gelobt und verehrt hatte, schaffte er es in den letzten Jahren seines Lebens meisterlich durch die Kompositionen der Buchstaben und Wörter die "Šekaste" Schrift unsterblich zu machen. Diese wagemutige Entwicklung der Schrift "Šekaste" dauerte in so einer kurzen Zeit, die nicht mehr als 10 Jahre war, und änderte die gesamte bisherige Entwicklung über einen Zeitraum von fünf Jahrhunderten, in denen die Kalligraphie durch eine Linie der Kalligraphenmeistern von Emâd Heravi bis zu Mizâ Kalhor reichte.

"Mirzâ Kucak Esfahâni", "Mohammad Rezâ Esfahâni", "Mirzâ Hasan Esfahâni", "Mirzâ Qolâm Rezâ Esfahâni" und am Ende der erhabene "Seyyed Golestâne" (1901), sie alle sind Meilensteine der Kalligraphie, "Nasta'liq" und "Šekaste" Schrift, und wurden von ihm, dem großen Genie, direkt oder indirekt inspiriert.

Trotz seiner Malaria Krankheit, die ihn sehr schwächte, hatte er in den letzten Jahren seines Lebens eine Vielzahl von kalligraphischen Seiten, Alben, und poetischen Sammlungen und Anthologien produziert. An der Spitze seiner Kunst gehören "Gedichte von Hâfez", "Golestâne Râze Sa'di", "Gedichte von Sa'di" und "Bustâne Sa'di"; diese Werke zieren heute die Museen im Iran und im Ausland.

Darviš Abdolmajid Tâleqâni starb an seiner Krankheit im Alter von 35 Jahren in Esfahân und ist in der Ecke "Tekiyeye Mir" in "Taxte Pulâd" Friedhof begraben.

©Fartâb Pârse / PERSIK
 

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