Nouruz ist das Fest, mit dem die Frühlings- und Sommerzeit anfängt und Mehregân ist das Fest zur Ankündigung des Herbstes und Winters. Diese Feierlichkeiten werden sehr aufwendig gefeiert. Heute feiert man Nouruz in folgenden Ländern Iran, Afghanistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kirkisistan, Dagestan, Armenien, Türkmenistan, Aserbeidschan, im Norden Indiens, Pakistans, dem Westen Chinas, der Türkei, Irak und Syrien.
Einige Geschichtswissenschaftler sind der Meinung, dass die Nouruz Feierlichkeit in der Antike 30 Tage andauerte; einige widerum behaupten, dass die Feierlichkeit sich auf fünf Tage beschränkte und am 6. Tag des Monats „Farvardin“ (1. Monat des iranischen Sonnenjahres vom 21. März bis 20. April) feierte man den Geburtstag von „Ašu Zartošt“ (dem erhabenen Zarathustras). Heute wird bei den Iranern ungeachtet der Religionszugehörigkeit immernoch der Geburtstag des Zarathustras gefeiert. Nach Zarathustras Glauben ist Nouruz das siebte und damit das heiligste Fest der sieben Feierlichkeiten; denn Nouruz und die anderen Feste stehen für die sieben erhabenen Amšâspandân („die sieben heiligen Engel“), die dem Ahurâ Mazdâ („dem Allmächtigen“) bei der Schöpfung behilflich waren.
Die Nouruz Feierlichkeit nach der Islamisierung:
Iraner spielten eine sehr große und wichtige Rolle am Hofe des Kalifats der Abbasiden. Die Kalifen versuchten die Iraner immer zufrieden zu stellen; so wurden die Sitten und Gebräuchen der Iraner in ihrem Hofe gängig. Die Kalifen der Abbasiden feierten bis zum Kalif Al-Mutawakkil 'alā 'llāh die Feste wie Nouruz, Mehregân und Sade, wie sie im Hofe der Sassaniden Könige gefeiert wurden.
Die Iraner, die am Hofe der Abbasiden wichtige Ämter inne hatten, spielten eine wichtige Rolle bei der Gängigkeit der iranischen Feste, Traditionen, Sitten und Feierlichkeiten. Diese waren Wesire, Emire, hohe Staatsbeamten, Militär ranghoher Offiziere, sogar Großbauern! Hierzu zählen auch der Barmakiyân Stamm, der am Hofe Hârun-or-rašid Gebräuche offiziell verbreitete. Im Herrschaftsgebiet der Abbasidendynastie waren die größten Gruppen die Iraner, die sich durch Zivilisation und Wissen über Bürokratie auszeichneten. Die Abbasidenkalifen nutzten die Gebräuche, Sitten und Traditionen, weil sie selbst kaum an ähnliche Kultur aufweisen konnten. Während die Abbasiden das Talent der Iraner nutzten, wahrten die Iraner ihre Kultur.
Die Nouruz Feierlichkeiten bei den Christen:
Die Urchristen, die zur Sassanidenepoche vor der Verfolgung durch den römischen Kaiser flüchteten und im Iran Asyl fanden, übernahmen einige persische Traditionen. Noch heute gedenken Sie an ihre Verstorbenen am Karfreitag. Im Iran werden besonders an Cahâršanbe Suri an die Seelen der Verstorbenen gedacht. Das Osterfeuer, das gezündet wird, hat seine Wurzel in Cahâršanbe Suri; ebenso kommen die bunt gemalten Eier aus der Tradition der Iraner. Die Christen praktizieren bis heute die iranische Traditionen, ohne genau zu wissen, woher eigentlich ihre Gebräuche der Osterfeierlichkeiten stammen. Auch das Frühjahrsputzen ist eine Sitte aus dem Iran. Das Frühjahrsputzen einige Tage vor Nouruz ist ein Muss für alle Iraner, da nach Ostern alles Alte gegen Neu ersetzt wird. Die Christen im Iran nennen bis heute die Osterfeierlichkeit â’ine pâk („Das Fest der Reinheit“).Wie wird Nouruz gefeiert?
In der antiken Zeit wurden ca. 25 Tage vor dem Nouruz Fest die Samen der sieben heiligen Hülsenfrüchte gepflanzt. Diese waren Weizen, Linsen, Hirse, Schnittbohne, Kichererbsen, Sesam und Wicke. Dann ließ man diese Samen bis zum 16. Tag des Monats Farvardin wachsen. Welche Pflanze prächtiger wuchs, deren Same säte man in dem kommenden, neuen Jahr. Heute wird bevorzugt Weizen gewählt und ca. eine Woche vor Nouruz gepflanzt. Am 13. Tag des Monats Farvardin wird die begrünte Pflanze, sabze, mit ins Freie genommen und nach der Beendigung der Zeremonie sizdah bedar ins Wasser oder in einen Fluss gegeben, um die Pech bringende Zahl 13 zu neutralisieren.Man beginnt oft mit der Säuberung des Hauses, welche als Frühjahrsputz bekannt ist. Etwa zwei Wochen vor Nouruz ist das Haus komplett geputzt. Alles wird gewaschen und vom Staub bereinigt. Überall fühlt man die Ankunft des Frühlings. Jeder wird tüchtig die Zutaten für „Sofreye Haft Sin“ vorbereiten und kaufen. Man fühlt sich innerlich mehr denn je der Natur näher und gebunden; jeder ist fröhlich und lacht; überall wird ausgeschmückt, farbenfrohe Lichter schmücken die Bäume und Läden. Wohin man auch geht, wird man mit Süßigkeiten empfangen. Plötzlich gibt es viele Straßenhändler, die rote Fische verkaufen; man kauft am besten immer ein Paar; denn sie gehören auch zu „Haft Sin“!
Hâji Firuz

Man sieht und hört überall Hâji Firuz. Dies ist aber ein arabisiertes Wort des Xâje Piruz aus der antiken Zeit. Xâje kommt aus dem Persischen und bedeutet „der ehrwürdige Herr“ und Piruz „der Siegreiche“. Xâje Piruz („der ehrwürdige, siegreiche Herr“) ist der Sieger des Lichtes über die Dunkelheit. Das schwarz bemalte Gesicht des Xâje Piruz erinnert an eine Wiederkehr aus dem Reiche der Verstorbenen und ist auch das Symbol des Winters. Seine rote Tracht symbolisiert die Röte des Feuers und spendende Wärme. Sie bezeichnet auch die Ankunft des Frühlings und der wunderschönen Natur, die ihren Winterschlaf hinter sich hat. Xâje Piruz spielt Tamburin, spricht im Rhythmus dazu schöne Gedichte und tanzt einen fröhlichen Tanz auf den Straßen. Er beherzigt so die Leute auf den Straßen. In den ersten Jahren nach der islamischen Revolution und während des Krieges gegen den Irak war es verboten, öffentlich zu erfreuen. So geriet Xâje Piruz langsam in Vergessenheit, und wurde allmählich zu einer Art Legende. In den letzten Jahren aber ignoriert das Volk bewusst aus ziviler Ungehorsamkeit jene ungeschriebenen Verbote und erinnert sich die Tage vor Nouruz an Xâje Piruz.
Die Ankunft des neuen Jahres
Der genaue neue Tag des Jahres wurde in der Antike durch Astrologen bestimmt; heute übernimmt das „Institut der Geophysik" der Universität Tehrân diese Aufgabe. Die Ankunft des Nouruz wird nach Stunde, Minute und Sekunde genau berechnet. Diese Berechnung basiert auf dem Sonnenkalender. Wenn die Erde sich einmal um die Sonne gedreht hat, spricht man zueinander: Har Ruzetân Nouruz, Nouruzetân Piruz („Jeder Tag soll ein neuer Tag sein“), und gratuliert somit allen zur Ankunft des neuen Tages).
Alle sammeln sich am Sofreye Haft Sin, hören aus dem Radio oder schauen sich das Vergehen der Sekunden im Fernsehen an und zählen ungeduldig die Sekunden mit. Gespielt werden schöne Melodien aus Oboen und großen Trommel (Karnâ va Dohol). In diesem Moment spricht man Gebete aus der ganzen Seele für die Geister der Verstorbenen, man betet um die Vollkommenheit und bedankt sich beim Allmächtigen für seine Großzügigkeit allen Lebewesen gegenüber. Die Jüngeren gratulieren den Älteren und diese beschenken sie mit Süßigkeiten wie Noql (eine Art Kandis und Konfekt), um den Mund zu versüßen. Man besprüht sich mit Rosenwasser. Die Kinder bekommen ihr Eydi („Beschenkung“; neue Geldscheine oder Münzen). Zunächst werden die nahstehenden älteren Verwandten besucht, dann andere, ältere Verwandte, Freuende und Bekannte. Die Feierlichkeiten dauern 13 Tage an. Am 13. Tag organisieren Iraner eine Art Picknick. Man feiert im Freien, tanzt und singt fröhlich zusammen. Die sabze, die sie am „Haft Sin“ hatten, wird im Freien eingepflanzt.
Galerie
Sofreye Haft Sin; die sieben sin's
Sin ist der 15. Buschstabe des persischen Alphabets (س). Im antiken Iran war die Zahl 7 (haft) eine heilige mystische Zahl. Die Sieben ist bis heute heilig und in fast allen Kulturen der Welt vorhanden. sofre bedeutet „die Tafel“; sofreye haft sin bedeutet also „die Tafel der sieben Sin's“. Zu dieser Tafel, zu der sich die ganze Familie am Nouruz Tag sammelt, gehören sieben Dinge mit symbolischer Bedeutung. Ihnen gemeinsam ist der erste Buchstabe ihrer Namen: Jedes fängt mit dem Buchstaben sin an, wie:
Sabze: Das Grüne (bepflanztes Getreide): Die Pflanze symbolisiert die Wiedergeburt.
Sib: Der Apfel: Er symbolisiert die Schönheit und Gesundheit.
Samanu: Aus Weizen gewonnene Mehlspeise: Sie symbolisiert die Fülle und den Wohlstand.
Sir: Der Knoblauch: Er symbolisiert die Heilkunde.
Senjed: Die Mehlbeere: Sie symbolisiert die Liebe.
Sekke: Die Geldmünze: Sie symbolisiert den Reichtum und Wohlstand.
Somâq: Der Sumach. Er symbolisiert die Farbe der Sonne und damit das Symbol des Sonnenaufgangs; ein immer wieder neuer Anfang.
Serke: Der Essig: Er symbolisiert das Saure im Leben.
Sonbol: Die Hyazinthe: Diese Blume symbolisiert die Natur und ihre Schönheit.
Kleine Galerie
Wie man sieht, hat man eine Auswahl für die sieben sin's. Zu den sieben Sachen kommen aber noch einige Gegenstände dazu:
Ein Buch: Das Buch symbolisiert die Weisheit und das Wissen. Viele benutzen heutzutage statt des Koran die Diwane der erhabenen Hâfez und Ferdousi.
Ein Spiegel: Der Spiegel symbolisiert den Lauf des Lebens, in dem man sich immer vor Augen hält und über seine Taten sich Gedanken macht.
Ein Paar rote Fische: Sie symbolisieren die Fruchtbarkeit.
Ein Paar Kerzenleuchter mit gezündeten Kerzen darin: Sie symbolisieren das Licht und sind für die Verbannung der Dunkelheit und Unwissenheit.
Ein paar bunt bemalte Eier: Sie symbolisieren auch die Fruchtbarkeit.
Eine Schüssel mit Wasser gefüllt, in dem eine Orange schwimmt. Die Orange symbolisiert die Erde im All/Universum.
Süßigkeiten.
Rosenwasser.
Getrocknete Früchte, Konfekt und Pistazien.
Zur Wahrung ihrer kulturellen Identität haben Iraner sich seit Jahrtausenden eine schwere Bürde aufgenommen. Noch heute werden sie vor diese Aufgabe gestellt. Aber ihre Kultur, Sitten, Gebräuche und Traditionen bleiben immer erhalten, egal wo sie sich befinden und unter welchen Umständen sie leben.
PERSIK wünscht Ihnen ein fröhliches, neues Nouruz Fest.
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©Fartâb Pârse / PERSIK






